Dirty Talk – Interview auf SR3

«Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird.»
Woody Allen, 1972

Zuerst dachte ich, das ist vielleicht ein plattes Thema diesmal, aber dann wurde mir klar, was für ein Riesenfass sich hinter dem Thema „Dirty Talk“ versteckt!

Dirty Talk, das ist das lustvolle Spielen mit sog. schmutzigen Wörtern und Ausdrücken, wo man mal so richtig in die unterste Schublade greifen darf und alles rausholen kann, was einem da so einfällt. Und das ist – im wahrsten Sinne des Wortes – unerhört!
Weil es moralisch so unerhört ist, werden die Dinge nicht ausgesprochen und bleiben deswegen un-erhört. Aber es kann ungemein lustvoll sein, und wieso sollte man es dann lassen? Weil es sich nicht ge-hört??

Dirty Talk kann sehr lustvoll sein, wenn es für alle Beteiligten in Ordnung ist. Aber es ist schwierig, und keinesfalls so einfach, wie es klingt, weil viele Grenzen überschritten werden müssen. Eigene Grenzen und die des anderen, und dazu braucht es gutes Teamwork.

Die eigene Grenze ist vor allem eine Schamgrenze. Wir haben alle gelernt: „Na, so was sagt man aber nicht.“ Und dann auch noch einem geliebten Menschen so genannte „böse“ Wörter um die Ohren zu hauen, das geht ja gar nicht. Aber wir haben als Kinder auch gerne mit Matsch und Schlamm gespielt. Soll heißen, das Spiel mit den verbotenen Ausdrücken als Erwachsener ähnelt dem Spiel mit Matsch und Schlamm als Kind.

Was es braucht, um lustvoll auch „schmutzig“ sein zu können, ist vor allem Mut als EinzelneR und Intimität als Paar.
Mut braucht es, um sich mit der eigenen Geilheit zu zeigen, die eigene Lust am schmutzige-Dinge tun zu genießen und sich damit dem Partner bzw. der Partnerin zu zeigen. Aber damit macht man sich verletzlich, der/ die andere könnte ja alles mögliche von einem denken – und deshalb braucht es eine Intimität im Paar, also die Gewissheit, dass man sich damit zeigen kann, und eine positive Reaktion zurückbekommt.

Gefallen kann das Männern wie Frauen. Aber es gibt Unterschiede. Da zeigt sich eben auch die klassische Rollenverteilung: Frauen gelten dann gleich als Schlampen, wenn sie sich mit ihrer Lust zeigen, ihnen ist es weniger erlaubt. Und Männern wird ja eh nachgesagt, dass sie sowieso Schweine sind, also die dürfen das viel eher als Frauen.
Insofern ist Dirty Talk eine Praktik, die mit der Jahrhunderte alten Spaltung in Heilige und Hure spielt.

Wer Spaß daran hat, auch mal das Objekt der Begierde des anderen zu sein, ohne dass man sich an politisch korrekte Praktiken hält, für den ist Dirty Talk superlustvoll. Für die anderen eben nicht.

Interessant ist aber auch die Umkehrung! Suchen Sie doch mal „saubere“ Wörter, also Begriffe, die Sie gut finden, und sprechen Sie diese aus. Schöne Bezeichnungen für Lustorgane, für Dinge, die man tut. Das ist im Grunde um einiges schwerer, weil unsere Sprache hierfür wenig Wörter zur Verfügung stellt. Eigentlich armselig, aber da zeigt sich nun mal die Geschichte unserer Sexualkultur.

Der Link zur Sendung: hier.

 

 

 

 

 

 

 

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